Oesterr.-Ungar. Artisten-Zeitung Nr. 13. Budapest, den 10. Juni 1891. II. Jahrgang

Offene Worte über die Budapester Chantans, deren Publikum und Hüter

Die Athleten Lomberg und Leitner im Circus Wullff

Das Juni-Programm dieses Kunstinstitutes weist einige Attractionsnummern ersten Ranges auf. Vorige Woche debutirten hierselbst die berühmten deutschen Athleten Lomberg und Leitner, deren Leistungen vom Publikum mit stürmischen Beifallsjubel aufgenommen wurden.

Entgegen anderer Kraftkünstler befleissigen sich Lomberg und Leitner mehr durch bravouröse Leistung als durch comödienhaften Gauklergesten und Posen zu brilliren. Das Gewichtehangement mit 100 Kilo schweren Gewichten, das Zuwerfen und Abfangen derselben wird  in der geschicktesten Art durchgeführt präzise und mit geradezu verblüffender Sicherheit. Interessant ist auch jener Tric in welchem Leitner seinen Collegen Lomberg mit freien Arme balancirt, und wenn dann der Athlet sich in wagerechter Lage mit Fusspitzen und Hals auf Sesselkanten legt und in dieser Position einen starken Mann auf der Brust stehend aushält, nicht ohne in beiden Händen mehrere schwere Gewichte zu halten. Nun folgt der Originaltric Leitners, das Kettensprengen.

Wir haben eine ähnliche Production vor einigen Wochen in Budapest bereits gesehen, haute jedoch gewannen wir die Überzeugung, dass diese herculeuse Arbeit in viel imponirender Art ausgeführt werden kann.

Leitner sprengt die Ketten vom besten Schmideisen mit Hülfe seiner Brust und Armmuskeln, ein Kettenarmband wird mit Hülfe seiner gespannten Armmuskel entzweit, so dass dasselbe auf eine gute Entfernung weit wegspringt, was auf die ausserordentliche Muskelkraft zurückzuführen ist.

Dass bei diesen Productionen die gebreiflichste Spannung herrscht, ist selbstredend und nach jeder Tricausführung durchtobt unendlicher Beifallsstrurm das Haus.

Lomberg und Leitner sind Cassenmagnete ersten Ranges für den Circus Wulff geworden, „tout Budapest” pilgert hinaus nach dem Thiergarten, um die grossartigsten Athleten der Gegenwart bewundern zu können.

Director Wulff führt das Springspferd „Mikado” mit neuen hyppologischen Effettrics vor; der Sprung des Pferdes durch eine Riesenkanne ist eine Leistung, welche bis heute noch von keinem andern Hyppologen gezeigt wurde. Die Herren Allen und Bono führen das Reiterstück: der Doppeljockey musterhaft aus und erzielen frenetischen Beifall.

Herr Cook als „August” ist bereits ein Lielbling der Budapester geworden, ein Gymnastiker in des Wortes wahrster Bedeutung, entzückt er jeden und alle durch seine originelle Darstellungsweise und durch seine schwierigen Trics, welche gewöhnlich in komischester Weise ihren Abschluss finden.

Der Circus Wulff ist bestens besucht.

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