Oesterr.-Ungar. Artisten-Zeitung Nr. 14. Budapest, den 20. Juni 1891. II. Jahrgang

Offene Worte über die Budapester Chantans, deren Publikum und Hüter.

Zum Unglücksfall im Várétés-Theater Fisch (Népliget Stadwäldchen)

Ein neues deutsches Theater in Budapest.

Brand in einer Menagerie

Zigeuner vor dem Sultan

Oberhofmarschall und Chansonnettensängerin

Josefine Linder †

Berliner Bericht

Joie (Mattush) Diacz

Budapester Chantant- und Orpheum-Berichte

Circus Wulff

Der Circus Wulff brachte diese Woche mehrere neue Attractionsnummern u.z. die einbeinigen Clowns Brüder Donate, welche einen sensationellen Erfolg errungen haben. Trotz ihres Körperlichen Mangels führen diese Sprünge und Sänge aus, marschiren in Paradeschritt etc. Ferner Debuttirten die 4 musikalischen Clovn Gebrüder Maisanos mit einigen gelungenen höchst originellen Trics. Frau Directrice Anna Wulff erschien nach längerer Zeit wieder in der Manége die Zügelgewandte Künstlerin ritt einen Trakherer in allen Gangarten der hohen Schule unter endlosen Beifallsjubel des Publikums. Die Piéce de resistance des Circus ist noch immer die Athletenproduction der Herren Lomberg und Leitner. Das Kettensprungen wird allabendlich von Herrn Leitner unter der aufmerksammsten Controlle des Publikums ausgeführt welche Production gerechtfertigte Anerkennung findet. Der Circus ist allabendlich ausverkauft und Director Wulff selbst bietet das Beste um sein Publikum animirt zu erhalten. Die Dressur der von ihm vorgeführten 8 Trakhenerhengste ist das Vollendeteste der Hyppologie.

Telephondrathkünstler O. Menotti in Budapest

Bei günstigem Wetter ziehen ganze Völkerwanderungen nach den Budapester Thiergarten. Der grösste Künstler seines Genres und der Gegenwart Herr O. Menotti hält wöchentlich hier seine Productionen. Dieselbe bestehen in verschiedenen Gangarten, Sacklaufen, gehen ohne Balanzierstange auf den denkbar dünnsten Telepondrathe, des ferneren führt Menotti einen Tric aus, zu welchem er sogenannte „Flugschuhe” verwendet in welchen er mit blitzartiger Geschwindigkeit von den einen Ende des Drathes nach dem anderem Ende hinüber gleitet, sodann trägt er einen Mann über das Drathseil und führt schliesslich eine Velocipedefahrt aus welche selbst Blondini nicht eleganter auf einen dicken Seile zu wege brachte. Diese grossartige Productionen welche in der lezten Woche durch die Ungunst des Wetters schwächer besucht war, wird hoffentlich nunmehr bei besserem Witterungswechsel sich eines regen Zuspruches erfreuen. Budapest hat selten Gelegenheit Luftkünstler vom Genre eines Menotti zu sehen und Niemand sollte die Gelegenheit versäumen. Das Wunder Stockholms (wie Menotti in Schweden genannt wurde) zu sehen.

Herr Henry Huline der erste Künstleragent Budapests aquirirte diesen ausgezeichneten Artisten für unsere Stadt und wir glauben auch noch im Laufe des Sommers andere Kunstceläbritäten durch Herrn Huline unserem Publikum zugänglich gemacht zu sehen.

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