Oesterr.-Ungar. Artisten-Zeitung Nr. 16. Budapest, den 22.Juli 1891. II. Jahrgang

Friedrich Georg Honetz †

Internationale Artisten-Genossenschaft Section Budapest.

Circus Wulff

Nächster Tage gelangt bereits die avisirte Effect Pantomime zur Aufführung u.z. Giegerl’s Hochzeit oder das Malheur zu Lande und zu Wasser. Grosse burleske Pantomie in zwei Abtheilungen zu Wasser und zu Lande. In Scene gesetzt von Director Ed. Wulff. – Patent angemeldet. – Tanz: arangirt von Herrn C. Mazzantini. Musik: vom Circus-kapellmeister Herrn Niklas. Die Schiffe gebaut: in Neupest von Herrn Thot. Feuerwerk: arangirt vom Pyrotechniker Herrn Stern János. Constuction u. Maschinerien: nach Anordnung eigener Erfindung des Herrn Directors Ed. Wulff, ausgeführt durch den Maschinen Ingenieur Herrn Joh. Réti, Budapest. Sämtliche Requisiten, Costüme, Schiffe wurden hiezu neu in Budapest angefertigt. Somit ist die ganze Ausstattung vom Director Wulff nach eigenen Ideen angefertigt und wird selbe patentirt. Der Erfolg verspricht ein grossartiger zu werden. Zum Schluss der Pantomime Fontaine Lumineuse mit Brillant Feuerwerk.

Auswärtige Nachrichte

Die Sonntagsruhe der Artisten

Das finstere Dunkel

Ein Brandunglück im Cirkus.

Am 27. v. M. (15. Juni neuen Datums) gab der Cirkus Juta in Berdiansk am Asow’schen Meere eine Vorstellung, welcher in einer Loge die Familie des österreichisch-ungrischen Honorar-Konsulats-Agenten Natale  Lupi, nämlich dessen junge, schöne Frau und zwei kleine Kinder, sowie in einer Loge nebenan der Grossvater der Kinder, ein gewesener deutscher Konsul, anwohnten. – Bei der sechsten Programmnummer explodirte einer der Petroleumluster, mit welchem der Circus beleuchtet war, und die brennende Flüssigkeit ergoss sich auf die in der Loge befindliche Familie Lupi hernieder. In einem Nu standen die drei Personen in Meterhohen Flammen. Eine unbeschreibliche Panik brach unter den etwa achtzehnundert Köpfe zählenden Zuschauermenge aus. Unter schauerlichem Geschrei flüchtete Alles zu den Ausgängen, und wären nicht einige beherzte Artisten gewesen, so hätte der Vorfall eine noch weitaus schrecklichere Katastrophe herbeigeführt. Einige Künstler rissen die brennende Familie Lupi mit eigener Lebensgefahr aus der Loge und erstickten die an ihnen wüthenden Flammen in Manégesande. – Während dieser Rettungsakcion verliessen die entsetzten Zuschauer in wilder Flucht, aber wohlbehalten den Cirkus. Die beiden kleinen Kinder Lupi’s aber erwiesen sich, als man die Flammen gelöscht hatte, als todt. Frau Lupi selbst liegt an lebensgefährlichen Brandwunden danieder, und der Grossvater der Kinder, der von den Flammen unversehrt blieb, hat den Verstand eingebüsst. Die entsetzliche Katastrophe hat in Berdiansk allgemeine tiefe Trauer hervorgerufen. Wären nicht die Artisten unter ihnen Rippel und Bader gewesen, so hätte man ein zweites Berditschew zu beklagen gehabt.

Gedankensplitter eines Carola-Schwärmers

Budapester Artisten Schema.

Provinz

Wien