Oesterr.-Ungar. Artisten-Zeitung Nr. 17. Budapest, den 5. August 1891. II. Jahrgang

Circus Wulff

Die Wasserpantomime „Gigerls Hochzeit mit Hindernissen zu Wasser und zu Land” ist unter den grössten Succés zur Aufführung gebracht worden. Was an Decorativer und mechanischer Ausstattung nur zu bieten möglich war, leistete Herr Director Wulff um den hauptstädtischen Publikum ein Schaustück ersten Ranges zu bringen und das Publikum hat auch dieses rechtliche Bestreben der Circus Direction anerkannt und füllt allabendlich den grossen Circusraum bis auf das letzte Plätzchen.

Die Pantomime selbst zerfällt in 2 Abtheilungen. Der erste Theil spielt vor einer Dorfschmiede, wo des Schmiedens Töchterlein wieder Willen einem Gigerl angetraut wird. Der Altgeselle des Schmiedemeisters liebt aber das Töchterlein seines Herrn und noch während der Hochzeitsfeier benützt er den günstigen Moment um sein Herzliebchen den geckenhaften Bräutigam vor den Augen aller Hochzeitsgäste zu entführen.

Die Baletteinlage zum Hochzeitsfest der „Tanz der Schmiedejungen” von 16 hübschen Damen bildet eine choreographische Sehenswürdigkeit zu welcher der Capellmeister des Circus eine sehr bübsche Musikpiéce in Polka francais Manier componierte.

Zwei reisende Spitzbuben Herr de Cock und Allen wirken in der komischesten Art durch Allotria und Gaunerstückchen, so dass das Haus mitunter non förmlichen Lachsalven erdröhnt. Zwei Polizisten von Emsemble welche diese Robert und Bertram Gestalten vorfolgen, bieten durch ihre wahrhaft caricaturenhafte Alliuren zwei Kabinetleistungen der Pantomimenakrobatik.

Der Zweite Theil der Pantomime betitelt sich „Circus unter Wasser”. Ein Bassin in der Grösse des ganzen Flächeraumes des Manége wird mit Hülfe von Dampfkraft in die Manége herabgelassen, und unter dem Orchesterraum wird eine Cascade installirt, ein Pfiff und eine riesige Wassermasse stürzt unter dröhnendem Getöse herab und ergiesst sich in das Riesenbassin, welches schon in der kurzen Zeit von 6 Minuten in einem Bache umgewandelt erscheint. Nun wird eine grosse schmiedeeiserne Brücke herabgelassen, die darauf installirten Gaskandelaberflammen angezündet und der Circus unter Wasser ist fertig.

Es folgt die Fortsetzung der Pantomime. Ein reizendes Ballet von 4 Damen in phantstischen Wassercostumen auf der Brücke bildet die Einleitung, dann folgt der Hochzeitszug in Kähnen auf dem Wasser die bereits erwähnten zwei Strolche setzen ihre tollen Streiche auf der Brücke fort, werfen harmlose Passanten ins Wasser, und stürzen durch allerlei Ränke, Kähne um, und natürlich fallen die darin Sitzenden ebenfalls ins Wasser, das Publikum ist bei diesen komisch pittoresken Anblick in der heitersten Stimmung, nun erscheinen die beiden Polizisten welche ebenfalls ins Wasser geworfen werden, und von denen der Dicke gleich einen Delphin umherschwimmt, schliesslich wird dieser von mehreren als Rettungsanker benützt was die lauteste Heiterkeit zur Folge hat.

Nun folgt das Abbrennen des Feuerwerks und die Fontaine schiesst in die Höhe. Das electrische Licht bescheint magisch die Wasserstrahlen und die Pantomime ist unter begeisterten Jubel des Publikums zu Ende. Director Wulff wird allabendlich stürmisch acclamirt.

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Entgegen jenen verschiedenen Zeitungsnachrichten als ob die Firma M. & R. Mansell als Patent Inhaber der Wasserpantomime Einspruch gegen die Aufführung der Wulff’schen Wassercomödie erhoben hätte, können wir bestimtestens constatieren dass dieser Einspruch ganz wiederrechtlich gewesen wäre, nachden hier keinerlei Patentverletzung vorliegt, in Gegentheil Director Wulff brachte  eine Pantomime mit einer Austattung zur Aufführung, deren einzelne Objecte wie Reservoirs Cascaden, Springbrunnen nach eigenen Angaben des Director Wulff angefertigt wurden u. z. in solcher Weise dass diese Ausstattung die Schuhman-Mansell’sche bei weitem übertrifft und practischer ist.

Dass die Firma Mansell diesen Umstand kannte, erhellt schon aus einem Schreiben Welches Herr A. Elkan unter den 23. Juni an Director Wulff richtete; hier heisst es wörtlich: - „und ich will Ihnen einen Vorschlag machen, spielen Sie die Pantomime. Sie richten dieselbe nach unseren einfachen, billigen Wege ein mit Ihren eigenen Material und zahlen uns nur einen geringen Prozentsatz und die Sache ist erledigt. –„ Wie man ersieht fand Herr Director Wulff diesen einfachen Weg nicht geeignet, er wollte was besseres d.h. etwas anderes schaffen, daher von einer Patentverletzung nicht die Rede sein kann.

Um aber der ganzen Sache die Krone aufzusetzen, um den Beweis zu erbringen dass Director Wulff hier sein ureigenstes Werk geschaffen, theilen wir auch den interressirten Kreisen mit, dass Herr Director Wulff auf Ersuchen des Herrn Director Schuhmann diesen das Patent der hiesigen Ausstattung zur gleichen Ausführung für Odessa überlies, diess illustrirt am Besten die collegiale Denkungsweise des Herrn Wulff, selbst jenen gegenüber, welche gegen ihm nicht rigoros vorgegangen sind. Somit ist die Pantomime „Gigerls Hochzeit” ausschliessliches Eigenthum des Director Wulff.

Dies zu constatieren halten wir als Fachblatt für unsere Pflicht

Carolas Costüme

Sodonia Anastasini †

Rudesiindo Roché mit seinen 12 dressirten Wölfen (Somossy Orpheum)

Die grösste Sensationsnummer der Gegenwart in Bezug auf Raubthierdressur ist gegenwärtig im Somossy Orpheum zu sehen. Herr Rudesindo Roché welcher nun das zweitemal mit ungeschwächtem Erfolge und mit neuen Trics seine Thiere vorführt, steht bis heute auf domptischen Gebiete ohne Concurrenz. Man hat wohl schon alle mögliche Raubthiergattungen wie Löwen, Panther, Leoparden, Hyänen, Eisbären etc. in verschiedenen Dressurarten gezeit, Wölfe in solch vollendeter Dressur einem Publikum zu zeigen blieb Herr Rudesindo Roché vorbehalten, der es durch unermüdliche Ausdauer und durch eiserne Consequenz des Spaniers es so weit brachte das begriffstützigste aller Raubthiere seinen Willen zu unterjochen, die Wölfe gelehrig zu machen, dass diese Bestien gleich dem Hunde auf’s Commandowort pariren.

Die grossartigkeit der vollkommenden Dressur besteht auch darin dass Herr Roché nur in den seltensten Fällen während der Production von der Peitsche Gebrauch macht, nur wenn eine oder die andere der Bestien ihren Dresseur zähnefletschernd drohen, so genügt ein einfacher Ruf des Namens und der betreffende Wolf zieht sich scheu zur Seite zurück um den commandirten Tric auszuführen.

Unser Bild stellt mehrere Trics der Roché’schen Production dar, und in dem Momente wo die zwei Wölfe auf der Schulter und den vorgestreckten Händen ihr Dompteurs stehen da bricht regelmässig eine Orkanartige Beifalssalve im Publikum aus, welcher Beifall sich von Tric zu Tric steigert.

Herr Rudisindo Roché zeigte seine Thiere bereits in den grössten Europäischen Städten wie London, Paris, Brüssel, Wien, Petersburg überall mit gleichem grossartigen Succés.

Das Somossy Orpheum ist allabendlich ausverkauft und harrt das Publikum in gespanntester Erwartung des „dressirten Wölfe” welche als Glanznummer für die grössten Etablissements des Continentes und Occidenten heute geltet.

Ella Gaston

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